Johann Adolf Hasse war einer der bedeutendsten europäischen Opernkomponisten an der Schwelle zur frühen Klassik. Insbesondere seine Opere serie gelten zusammen mit den Libretti von Pietro Metastasio als Höhepunkte ihrer Gattung. Ein Glücksfall war Hasses fruchtbare Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau, der gefeierten Opernsängerin Faustina Bordoni. Auch auf dem Gebiet der Kirchenmusik schuf Hasse mit Oratorien, Messen und Vertonungen liturgischer Texte herausragende Werke.
Das Hasse-Museum Hamburg zeichnet den Weg des Künstlers von der Kinder- und Jugendzeit in Hamburg bis in die Musikzentren des 18. Jahrhunderts nach. Zahlreiche Dokumente – darunter originale Libretti, Entwürfe von Bühnenbildern und Kostümen sowie historische Musikaliendrucke – vermitteln ein anschauliches Bild von Hasses Leben und Wirken an den europäischen Theatern, Höfen und anderen Institutionen.


Von Hamburg an die musikalischen Zentren Europas

Als Spross einer Familie von Kirchenmusikern sollte Johann Adolf Hasse im Lauf seines Lebens zu einem bedeutenden Repräsentanten gesamteuropäischer Musikkultur werden. Über drei Generationen hinweg waren die Hasses als Organisten an der Kirche St. Petri und Pauli in Bergedorf tätig. Der Ort stand damals unter "beiderstädtischer" Hoheit von Hamburg und Lübeck, wurde im Jahr 1699 aber gerade von Hamburg verwaltet. Johann Adolf wurde am 25. März 1699 in St. Petri und Pauli zu Bergedorf getauft. Später erhielt er vom Vater die ersten musikalischen Unterweisungen.
Als 15-Jähriger begann er - ähnlich wie kurz zuvor Händel - seine musikalische Ausbildung bei dem großen Komponisten und Musikerzieher Johann Mattheson in Hamburg. 1717 trat Hasse als junger Tenor in Oratorien auf, die sein Lehrer zum 200-jährigen Jubiläum der Reformation komponiert hatte. Bald darauf trat Hasse mit der Oper am Gänsemarkt in Verbindung. An dem damals führenden deutschen Musiktheater sammelte er erste Erfahrungen mit dem Opernbetrieb und fand großen Gefallen daran. Hasses Weg führte ihn 1719 als Sänger nach Braunschweig, in das zweite norddeutsche Opern-Zentrum. Hier brachte er mit dem Antioco (1721) seine erste Oper zur Aufführung. Kurz darauf zog es Hasse nach Italien, das zu jener Zeit den Ton angab. In Neapel konnte er sich als Komponist weiterentwickeln und voll entfalten. Neben Neapel, Venedig, Wien und Warschau gehörte Dresden zu seinen wichtigsten Karrierestationen. Hier brachte Hasse es zu Ruhm und hoher Wertschätzung. Insbesondere seine sensible, anspruchsvolle Behandlung der Singstimmen wurde allgemein bewundert. Voltaire, Burney und Rousseau als intellektuelle Zeitgenossen ebenso wie Haydn und Mozart als Komponisten der folgenden Generation – sie alle schätzten Johann Adolf Hasse außerordentlich.


Hasse-Gesellschaft-Bergedorf e.V.


Lebensdaten

1699 Johann Adolf Hasse wird vermutlich am 23. oder 24. März in Bergedorf bei Hamburg als Spross einer Organistenfamilie geboren. Frühzeitig wird er im Elternhaus zum Singen und Instrumentalspiel angeleitet.
1714 Musikalische Unterweisung durch Johann Mattheson in Hamburg.
1718 Tenor an der Oper am Gänsemarkt.
1719 Wechsel ans Opernhaus am Hagenmarkt in Braunschweig.
1721 Hasses erste Oper "Antioco" kommt mit ihm in der Titelrolle in Braunschweig zur Aufführung.
1722 Reise nach Italien und Studium der Komposition in Neapel bei Alessandro Scarlatti, zuvor möglicherweise bei Nicola Porpora.
1725–29 Mehrere Serenaten, Opern und Intermezzi von Hasse kommen in Neapel zur ersten Aufführung.
1730 Die erfolgreiche Aufführung von "Artaserse" in Venedig macht Hasse in und über Italien hinaus bekannt. Dieses Werk begründet auch die lebenslange Zusammenarbeit sowie Freundschaft mit dem Dichter Pietro Metastasio. Hasse heiratet die Sängerin Faustina Bordoni.
1731 Gastspiel in Dresden mit der Oper Cleofide. August der Starke, König von Sachsen und Polen, verleiht Hasse den Titel »Königlich Polnischer und Kurfürstlich Sächsischer Kapellmeister«.
1733 Das Ehepaar Hasse tritt den Dienst als Kapellmeister und Primadonna am sächsischen Hof in Dresden an. Inzwischen regiert Friedrich August II., der als polnischer König August III. heißt.
1733–63 In drei Jahrzehnten führt Hasse das Dresdner Musikleben zu einer vor- und hinterher unübertroffenen Blüte. Er komponiert Opern, höfische Kantaten, Oratorien und Kirchenmusik, kann aber auch italienische Theater mit neuen Opern versorgen.
ab 1734 Die Hasses halten sich für kürzere oder längere Perioden in Venedig auf, wo sie einen zweiten Wohnsitz haben. Der Komponist schreibt Sakralwerke für die Schülerinnen des »Ospedale degl’Incurabili«.
1750 Ernennung zum Oberkapellmeister am sächsischen Hof, Einladung an den französischen Hof nach Paris.
1751 Hasse komponiert die Festmusik zur Einweihung der neuen katholischen Hofkirche in Dresden.
1753 Einladung an den Hof Friedrich des Großen nach Berlin.
1756–63 Während des Siebenjährigen Krieges leben die Hasses zunächst in Venedig und dann am Hof Maria Theresias in Wien. Der Komponist schreibt Werke im Auftrag der kaiserlichen Familie und unterrichtet Maria Theresias Kinder.
1763 Hasse wird als Oberkapellmeister nach dem verlorenen Krieg gegen Preußen und dem Tod des sächsischen Königs entlassen. Die Familie siedelt nach Wien über. Dort entsteht das bedeutende "Intermezzo tragico Piramo e Tisbe" (1768/70).
1767 Joseph Haydn legt Hasse sein "Stabat Mater" vor und freut sich über das positive Urteil des »großen und weltberühmten« Meisters.
1769 Hasse verfasst ein Empfehlungsschreiben für den jungen Wolfgang Amadeus Mozart vor dessen erster Italienreise.
1772 Der englische Musikschriftsteller Charles Burney sucht Hasse in Wien auf und hinterlässt anschauliche Zeugnisse.
1773 Übersiedelung nach Venedig. Weitere Kirchenkompositionen für den sächsischen Hof.
1783 Am 16. Dezember verstirbt Hasse in Venedig und wird in der Kirche San Marcuola beigesetzt.