Eröffnung im März 2018

Gustav Mahler gelang eine Doppelkarriere, die ihresgleichen sucht. Als Dirigent und später auch als Komponist avancierte Mahler zu einem international umjubelten Künstler. Er gilt als kompositorischer Wegbereiter der Moderne. In diesem genialen Künstler verbindet sich auf außergewöhnliche Weise ein produktiver mit einem kritischen Geist.
Das Mahler-Museum Hamburg zeigt den schier rastlosen Arbeitsalltag und den weiten intellektuellen Horizont des Künstlers. Dabei wird das verzweigte Beziehungsgeflecht Mahlers in der Stadt Hamburg sichtbar und zugleich mit den entsprechenden Orten verknüpft. Eine Multivisionsschau aus Briefen, Büchern, Kritiken und Programmankündigungen zeichnet ein Bild des Dirigenten-Komponisten, das sein vielseitiges Wirken, sein Arbeitspensum, aber auch seine privaten Beziehungen und Vorlieben markiert. Beispielsweise diskutierte Mahler, der ein wahrer »Bücherfresser« war, leidenschaftlich Themen aus philosophischen Schriften Nietzsches und Schopenhauers oder mit Arnold Berliner Fragen der Physik. Daraus entwickelte er seine ganz persönliche Weltanschauung.
Durchstreifen Sie Mahlers Hamburger Wirkungsstätten und lassen Sie sich in seinem literarisch-philosophischen Kosmos treiben. Lauschen Sie den musikalischen Meisterwerken und durchmessen Sie mit dem begeisterten Radfahrer Gustav Mahler die Straßen der Stadt.


Gustav Mahler – Arbeitsamer Kapellmeister und Straßen-Durchmesser

Als Erster Kapellmeister des Hamburger Stadt-Theaters gestaltete Gustav Mahler zwischen 1891 und 1897 maßgeblich das hanseatische Musikleben. Bereits mit seinem ersten Dirigat elektrisierte er förmlich das Publikum. Mahlers unglaubliches Arbeitspensum zeigte sich in einem Repertoire von nicht weniger als 70 Opern und zahlreichen Neueinstudierungen von Mozart bis Wagner. In manchen Jahren stand er fast jeden zweiten Abend am Pult. Sein interpretatorisches Genie und sein hoher Anspruch an die Musiker brachten ihn und das Hamburger Stadt-Theater in der Dammtorstraße zu internationalem Ruhm.
Zu Mahlers Wirkungsstätten gehörten außer der Hamburger Oper auch das Altonaer Theater, der Conventgarten und das »Concerthaus Ludwig« in St. Pauli. Mahlers bevorzugtes Verkehrsmittel war das Fahrrad, das damals in Mode kam. Auf seinem „Velociped“ wurde er zu einem wahren »Straßen-Durchmesser«.
In Hamburg durchlebte er mit der Sopranistin Anna von Mildenburg eine künstlerisch sowie emotional aufregende Liaison. Er lernte den jungen Dirigenten Bruno Walter Schlesinger (später: Bruno Walter) kennen, zu dem sich eine lebenslange Freundschaft entwickelte.
Während seiner Hamburger Zeit schuf Mahler einige Liedkompositionen und zwei Sinfonien. Ein inspirierendes Schlüsselerlebnis hatte er im »Michel«, wo er - während der Trauerfeier für den berühmten Dirigenten und Pianisten Hans von Bülow - am Vormittag des 29. März 1894 einen Knabenchor den Klopstock-Choral »Aufersteh’n« singen hörte. Das war für Mahler der Impuls zur Vollendung seiner Zweiten, der Auferstehungssymphonie, die man auch als seine Hamburgische Symphonie bezeichnen könnte.


Gustav Mahler Vereinigung e.V.


Lebensdaten

1860 Gustav Mahler wird am 7. Juli im böhmischen Kalischt (Kaliště) als zweites von zwölf Kindern des Kaufmanns Bernhard Mahler und seiner Frau Marie geboren. Schulbesuch in Iglau (Jihlava) und in Prag.
1875 Studium am Konservatorium der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde (1878 mit Diplom abgeschlossen) und Studium an der Wiener Universität.
1881 Mahler wird nach Dirigierverpflichtung in Bad Hall kurzzeitig Theaterkapellmeister in Laibach (Ljubljana).
1883 Von Januar bis März Kapellmeister in Olmütz (Olomouc). Besuch der Bayreuther Festspiele (Wagners Parsifal). Ab August in Kassel am Königlichen Theater als Musik- und Chordirektor.
1885 Zweiter Kapellmeister am Deutschen Königlichen Landestheater in Prag und von Herbst 1886 für zwei Jahre Kapellmeister am Stadttheater Leipzig.
1888 Mahler schreibt an der Ersten Symphonie und an der Symphonischen Dichtung "Totenfeier". Er wird Direktor der Königlichen Ungarischen Oper in Budapest.
1889 Tod der Eltern. Im November wird die Erste Symphonie in Budapest uraufgeführt.
1891 Rücktritt von der Leitung der Oper in Budapest. Erster Kapellmeister am Stadt-Theater in Hamburg.
1892 Gesamtgastspiel des Hamburger Opern-Ensembles unter Mahlers Leitung in London.
1894 Tod Hans von Bülows. Während der Trauerfeier in St. Michaelis Inspiration zum Finale der Zweiten Symphonie. Fertigstellung der Zweiten Symphonie. Uraufführung der Zweiten Symphonie im Dezember 1895 in Berlin. Sommer 1893-1896 Steinbach am Attersee: Komposition von Liedern aus »Des Knaben Wunderhorn« und der Dritten Symphonie.
1897 Mahler konvertiert im „kleinen Michel“ in Hamburg am 23. Februar zum katholischen Glauben. Im April wird er zum Kapellmeister an der Wiener Hofoper berufen. Im Oktober ernennt ihn Kaiser Franz Joseph zum Direktor der Wiener Hofoper.
1898 - 1901 Dirigent der Philharmonischen Konzerte in Wien.
1899 - 1900 Komposition der Vierten Symphonie.
1901 Uraufführung einer Jugendkomposition, der Chorkantate "Das klagende Lied".
1902 1902 Eheschließung mit Alma Schindler. Uraufführung der Dritten Symphonie. Im Sommer vollendet Mahler die Fünfte Symphonie. Geburt der ersten Tochter Maria Anna.
1904 Im Sommer vollendet Mahler die Sechste Symphonie und beginnt die Arbeit an der Siebten Symphonie. Geburt der zweiten Tochter Anna Justine. Komposition zweier Kindertotenlieder.
1905 Uraufführung der Kindertotenlieder, Vollendung der Siebten Symphonie.
1906 In drei Sommerwochen entsteht die Achte Symphonie.
1907 Demission als Direktor der Wiener Hofoper. Im Juli stirbt seine älteste Tochter an Scharlach und Diphtherie, bei Mahler wird ein Herzklappenfehler diagnostiziert. Abreise nach New York.
1908 Dirigentendebut an der Metropolitan Opera in New York.
1908-10 Urlaub in Alt-Schluderbach bei Toblach (Südtirol), Komposition des Lieds von der Erde, der Neunten Symphonie (1909) und Skizzen zur Zehnten Symphonie im dortigen Komponierhäuschen.
1908-09 Große Erfolge in New York als Opern- und Konzertdirigent. Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra.
1910 Schwere Ehekrise, Mahler sucht Sigmund Freud in Holland auf. Uraufführung der Achten Symphonie in München. Im Herbst reist Mahler zum vierten und letzten Mal nach Amerika.
1911 Im Februar dirigiert Mahler – bereits schwer krank - sein letztes Konzert. Im April kehrt er mit einem unheilbaren Herzleiden nach Europa zurück. Am 18. Mai stirbt Gustav Mahler in Wien.