Eröffnung im März 2018

Die Geschwister Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy, Kinder einer jüdischen Familie, waren hochbegabte Musiker. Ihr Künstlerleben gestalteten sie auf ganz unterschiedliche Weise: Fanny, eine Pianistin, Komponistin und Musikorganisatorin, hinterließ mehr als 400 Liedkompositionen. Felix, ein gefeiertes Wunderkind, komponierte schon mit 16 Jahren ein Oktett und die Ouvertüre zum Sommernachtstraum und wurde mit 26 Jahren Kapellmeister des Leipziger Gewandhausorchesters.
Leben und Arbeit von Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy sind nicht zu trennen von der Bedeutung und dem Einfluss jüdischer Familien auf das deutsche Kulturleben. Das Museum zeichnet die Hamburger Kinderjahre der Geschwister sowie ein Bild des kulturellen Umfeldes der Mendelssohns, das auf vielfältige Weise mit dem Leben der Hansestadt verwoben ist. Dabei spielten nicht nur die Musik, sondern auch Philosophie und Literatur eine maßgebliche Rolle.


Fanny und Felix Mendelssohn – ein musikalisches Gespräch

Die Geschwister Fanny und Felix Mendelssohn wurden Anfang des 19. Jahrhunderts in eine Zeit geboren, in der die Stadt Hamburg und ihre Bürgerschaft unter den Napoleonischen Repressalien litt. Sie wuchsen in der Nähe der Hamburger Michaeliskirche auf. Als Kinder von Lea Salomon und Abraham Mendelssohn waren sie Enkel von der aus Hamburg stammenden Kaufmannstochter Fromet Gugenheim und des berühmten Philosophen Moses Mendelssohn. In Hamburg verbrachten die Geschwister ihre ersten Lebensjahre, bevor die Bankiersfamilie aus der französisch besetzten Hansestadt nach Berlin floh.
Ihre Mutter war die erste Klavierlehrerin von Felix und Fanny. Später erhielten sie Unterricht bei Ludwig Berger und Marie Bigot und wurden von Carl Friedrich Zelter in Komposition unterwiesen. Mit 13 Jahren spielte Fanny sämtliche Präludien aus dem ersten Teil von Bachs ‚Wohltemperiertem Klavier’ auswendig. Ihre ersten aufführungsreifen Kompositionen schrieben die Geschwister bereits im Kindesalter. Über viele Jahre war Fanny die wohl engste musikalische Ratgeberin des jüngeren Bruders. Ihre kompositorischen Ideen entwickelten beide in engem Austausch miteinander, bevor überhaupt eine Note zu Papier gebracht wurde.
Für Felix Mendelssohn Bartholdy, wie er nach seiner protestantischen Taufe in Berlin hieß, blieb Hamburg zeitlebens eine wichtige Station. Während seiner Aufenthalte in der Stadt wohnte er in der Regel im Haus von Salomon Heine, dem Onkel von Heinrich Heine, in Ottensen.


Fanny und Felix Mendelssohn-Gesellschaft-Hamburg e.V.

 


Lebensdaten – Fanny Hensel

1805 Am 14. November wird Fanny Zippora Mendelssohn in Hamburg geboren
1816 Taufe der vier Mendelssohnschen Kinder in der Berliner Jerusalemskirche. Fanny erhält den Taufnamen Cäcilie und der Nachname den Zusatz Bartholdy.
1819 Kompositionsunterricht bei Carl Friedrich Zelter.
1820 Eintritt in die Berliner Singakademie und Beginn des ersten Kompositionsalbums.
1822 Bekanntschaft mit dem Maler Wilhelm Hensel. Mehrmonatige Reise mit der Familie in die Schweiz.
1826 Zwei Lieder Fannys erscheinen in Felix‘ erstem Heft Lieder op. 8 im Druck.
1829 Verlobung und Hochzeit von Fanny Mendelssohn Bartholdy und Wilhelm Hensel. Mitwirken bei der Wiederaufführung von Bachs Matthäus-Passion in Berlin.
1830 Geburt des Sohnes Sebastian.
1835 Reise zum Niederrheinischen Musikfest in Köln, von dort aus weiter nach Paris, Boulogne-sur-Mer und Belgien.
1836 Reise zum Niederrheinischen Musikfest nach Düsseldorf und Mitwirken an der Uraufführung von Felix‘ Oratorium Paulus.
1838 Einziger öffentlicher Auftritt als Pianistin im Rahmen eines Benefizkonzertes.
1839/40 Reise mit Wilhelm Hensel und Sohn Sebastian nach Italien, Aufenthalte in München, Venedig, Florenz und Rom.
1845 Zweite Italienreise mit Ehemann und Sohn.
1846 Fanny Hensels op. 1 erscheint im Druck.
1847 Am 14. Mai stirbt Fanny Hensel in Berlin.

Lebensdaten – Felix Mendelssohn Bartholdy

1809 Am 3. Februar wird Felix Mendelssohn in Hamburg geboren.
1816 Taufe der vier Mendelssohnschen Kinder in der Berliner Jerusalemskirche, Felix erhält die Taufnamen Jacob Ludwig, der Nachname den Zusatz Bartholdy.
1819 Felix erhält Kompositionsunterricht bei Carl Friedrich Zelter
1820 Felix tritt in die Berliner Singakademie ein und beginnt sein erstes Kompositionsalbum.
1821 Zelter nimmt Felix mit zu einem Besuch bei Johann Wolfgang von Goethe in Weimar.
1825 Abraham Mendelssohn nimmt Felix mit auf eine Reise nach Paris. Cherubini befürwortet für Felix eine musikalische Laufbahn.
1826 Komposition der Ouvertüre zu Shakespeares Sommernachtstraum, Lieder op. 8 (mit zwei Liedern von Fanny) erscheinen im Druck.
1827 Immatrikulation an der Berliner Universität.
1829 Felix leitet die Wiederaufführung von Bachs Matthäus-Passion in der Berliner Singakademie. Mehrmonatige Reise nach England.
1830–32 Große Bildungsreise über Weimar, München und Wien nach Venedig, Florenz, Rom, Neapel, Mailand, in die Schweiz, nach Paris und London.
1833 Berufung zum Städtischen Musikdirektor in Düsseldorf.
1835 Berufung nach Leipzig als Kapellmeister des Gewandhauses.
1837 Heirat mit Cécile Jeanrenaud in Frankfurt, sie bekommen fünf Kinder (Carl 1838, Marie 1839, Paul 1841, Felix 1843 und Lili 1845).
1841 Berufung Mendelssohns durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. als Kapellmeister an die Königliche Akademie der Künste nach Berlin.
1842 Reise nach England mit Empfang bei Königin Victoria.
1843 Berufung zum Leiter des Berliner Domchors.
1845 Mendelssohn löst seine Berliner Verpflichtungen und kehrt nach Leipzig zurück.
1847 Ein halbes Jahr nach dem Tod der Schwester Fanny stirbt Felix Mendelssohn Bartholdy am 4. November in Leipzig.