Johannes Brahms’ Leben und Werk zeichnet einen faszinierenden Weg durch das 19. Jahrhundert, der sich vom Hamburger »Gängeviertel« bis in die Musikmetropole Wien erstreckt. Ein unverkennbarer Stil und höchste kompositorische Meisterschaft zeichnen das vielseitige Oeuvre von Brahms aus. Dieses umfasst - mit Ausnahme der Oper - nahezu alle musikalischen Gattungen. Auch der Volksmusik fühlte sich der Komponist verbunden, und fast jeder kennt das Wiegenlied »Guten Abend, gut Nacht«, oft ohne zu wissen, dass Brahms es komponiert hat.
Mit seinem Standort in der Peterstraße befindet sich das Brahms gewidmete Museum unweit von dessen ursprünglichem, im Krieg jedoch zerstörtem Geburtshaus. Das Museum zeigt im Erdgeschoss vorrangig Exponate aus den fast drei Jahrzehnten, in denen Brahms in Hamburg aufwuchs, hier seine Ausbildung erhielt und erste bahnbrechende Werke schuf. Gezeigt werden Musikalien, Schriftstücke, Konzertprogramme, Brahmsiana, Fotos und Brahms-Büsten, darunter die Marmorbüste der Wiener Künstlerin Ilse Conrat. Ein weiteres Glanzstück des Museums ist ein von der Hamburger Pianomanufaktur Baumgardten & Heins um 1859 gebautes Tafelklavier, an dem Johannes Brahms 1861/62 Unterricht erteilte. Die Auswahl der im Obergeschoss gezeigten Exponate lässt erkennen, dass die Verbindungen Brahms’ zu seiner Vaterstadt Hamburg auch in seiner Wiener Zeit nie abrissen.
Das Museum verfügt über eine kleine Präsenzbibliothek, darunter befindet sich die alte sowie die neue Gesamtausgabe von Brahms’ Werken. In wechselnden Kabinettausstellungen werden schließlich spezielle Aspekte von Werk und Persönlichkeit des Musikers und seines Umkreises thematisiert.


Johannes Brahms – Komponist von Weltruhm

Johannes Brahms wurde im Mai 1833 im Hamburger »Gängeviertel« geboren und in St. Michaelis, dem Wahrzeichen der Stadt, getauft und konfirmiert. Mit sechs Jahren besuchte Johannes die "Elementarschule" am Dammtorwall, später die private »Lehranstalt für Knaben des mittleren Bürgertums« des Reformpädagogen Johann Friedrich Hoffmann. Bereits mit zehn Jahren trat Brahms erstmalig in Hamburg als Pianist vor geladenem Publikum auf und schon als Dreizehnjähriger begann der junge Musiker als Klavierspieler Geld zu verdienen. Brahms arbeitete später (unter dem Pseudonym G. W. Marks) für den Hamburger Musikverlag August Cranz als Arrangeur, und 1850 verpflichtete ihn das Hamburger Stadttheater für das Klavier- und Harmoniumspiel. 1847 sowie die Frühsommerwochen 1848 und 1851 verbrachte der in seiner Jugend oft kränkelnde Johannes zur Erholung in Winsen an der Luhe, wo er mit dem Winsener Männerchor erste Erfahrungen als Chordirigent und -komponist sammelte.
1853 brach er mit dem ungarischen Violinisten Eduard Reményi zu seiner ersten Konzertreise auf, in deren Verlauf er den berühmten Geigenvirtuosen und Komponisten Joseph Joachim zum Freund gewann. Dieser empfahl ihn weiter an Franz Liszt und führte ihn ebenso bei Clara und Robert Schumann ein. Insbesondere die Begegnungen mit Joachim und den Schumanns waren entscheidend für Brahms’ künstlerische Entwicklung in den folgenden Hamburger Jahren. Aber erst die in der Wiener Zeit ab 1862 entstandenen Werke (Ein Deutsches Requiem, Ungarische Tänze, Symphonien) begründen Brahms’ unangefochtenen Ruhm in der Musikwelt.
Als der mittlerweile weltberühmte Komponist im Jahr 1889 zum Hamburger Ehrenbürger ernannt wurde, schrieb er überglücklich von dem »herrliche[n] Gefühl, sich in seiner Vaterstadt so hoch geachtet und geliebt zu wissen«.

Informationen/Öffnungszeiten

Johannes-Brahms-Gesellschaft Hamburg Internationale Vereinigung e.V.


Lebensdaten

1833 Johannes Brahms wird am 7. Mai als Sohn des Musikers Johann Jacob Brahms und seiner Frau Johanna Henrica Christiane in Hamburg geboren und am 26. Mai in St. Michaelis getauft.
1840 Erster Klavierunterricht bei Otto F.W. Cossel.
1843 Erster Auftritt vor geladenem Publikum. Wahrscheinlich schon um diese Zeit übernimmt der Klavierpädagoge Eduard Marxsen den Klavierunterricht.
1845 Ebenfalls bei Marxsen erhält Brahms Theorieunterricht.
1848 Erstes eigenes Konzert in Hamburg.
1853 Erste Konzerttournee als Begleiter des ungarischen Geigers Eduard Reményi. Brahms lernt dabei den Violinvirtuosen Joseph Joachim, Franz Liszt sowie Anfang Oktober Robert und Clara Schumann kennen.
1859 Uraufführung von Brahms’ 1. Klavierkonzert in Hannover unter Leitung von Joachim. Kurz danach fällt das Werk in Leipzig durch.
1861 Die großen Variationswerke op. 23 und 24 (Händel-Variationen) sowie die beiden Klavier-Quartette op. 25 und 26 entstehen in Hamm vor den Toren Hamburgs.
1862 Erste Reise nach Wien, in die europäische ›Musikmetropole‹.
1863 Leiter der Wiener Singakademie.
1868 Durchbruch als Komponist. Brahms feiert die Uraufführung seines Deutschen Requiems in Bremen und wird durch die Herausgabe der Ungarischen Tänze populär.
1871 Endgültige Übersiedlung nach Wien.
1872 »Artistischer Direktor« der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (bis 1875).
1876 Vollendung der 1. Symphonie, an der er mehr als 14 Jahre gearbeitet hat.
1879 Die Universität Breslau verleiht Brahms den Titel eines Ehrendoktors.
1889 Auf Anregung Hans v. Bülows ernennt Bürgermeister Carl Friedrich Petersen Brahms zum Ehrenbürger der Hansestadt. Brahms revanchiert sich, indem er Petersen die Fest- und Gedenksprüche op. 109 widmet, sie werden am 9.9. in Hamburg uraufgeführt.
1897 Am 3. April stirbt Johannes Brahms in Wien und wird auf dem Wiener Zentralfriedhof neben Beethoven und Schubert beigesetzt.