Gustav Mahler Vereinigung Hamburg
Die ‚Maske Mahlers‘. Thomas Mann und Gustav Mahler im Lichte neuer Quellen?
Lieder von Alphons Diepenbrock und Gustav Mahler

Hans Rudolf Vaget veröffentlichte den einzigen bisher aufgefundenen Brief Gustav Mahlers an Thomas Mann im vergangenen Jahr in der Süddeutschen Zeitung. In seinem Vortrag nimmt er diesen Brief und weitere Dokumente zum Anlass, die Beziehung zwischen dem Komponisten und dem Schriftsteller im Ganzen neu zu beleuchten.

Gustav Mahlers letztes Konzert in München, die Uraufführung seiner Achten Symphonie am 12. und 13. September 1910, bescherte ihm den größten Erfolg seiner Laufbahn. Zu der glänzenden Nachfeier im Hotel "Vier Jahreszeiten" waren auch Thomas und Katia Mann geladen. Offenbar kam es jedoch bei jenem festlichen Anlass zu keinem persönlichen Austausch zwischen dem Autor der "Buddenbrooks" und dem gefeierten Komponisten und Dirigenten. Stattdessen schickte Thomas Mann zwei Tage danach, zusammen mit einem Exemplar seines Romans "Königliche Hoheit", einen formellen Huldigungsbrief. Er glaube, so beteuerte er, dass sich in dem Verehrten "der ernsteste und heiligste künstlerische Wille unserer Zeit" verkörpere. Dies erklärt, dass er es für gut und richtig befand, seinem fiktiven Alter Ego in "Der Tod in Venedig", dem Schriftsteller Gustav von Aschenbach, die "Maske Mahlers" zu verleihen, dazu den Vornamen und das ungefähre Alter.

Für Gustav Mahler war in diesen Jahren Amsterdam zu seiner künstlerischen Heimstätte geworden, wo er im Dirigenten Willem Mengelberg und dem Komponisten Alphons Diepenbrock kundige Anwälte für seine Musik gefunden hatte. Beide waren anwesend, als Mahler 1910 seine Achte Sinfonie in München zur Uraufführung brachte und Diepenbrock sogar bei Mahlers Beerdigung auf dem Grinzinger Friedhof im folgenden Jahr. Er muss daher ein enger Vertrauter gewesen sein.
Hans Rudolf Vaget (geb. 1938) ist Professor Emeritus of German Studies und Comparative Literature am Smith College (Northampton, Massachusetts). Schwerpunkte seiner Forschung sind Goethe, Wagner und Thomas Mann, zu denen er zahlreiche Arbeiten vorgelegt hat. Ehrungen: Thomas-Mann-Medaille (1994), Forschungspreis der Alexander von Humboldt Stiftung (2001), Fellow der American Academy Berlin (2012). Vaget ist Mitherausgeber der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe Thomas Manns und war von 2005 bis 2013 Mitherausgeber der Zeitschrift wagnerspectrum.

Vortrag:
Hans Rudolf Vaget, Professor Emeritus des Smith College, Northampton
Musikalische Umrahmung:
Timotheus Maas (Bassbariton), Karolina Trojok (Klavier)

Eintritt: 12 € / erm. 8 €, Abendkasse ab 18:30 Uhr
Führung durch das Mahler-Museum um 18:30 Uhr im Preis inbegriffen

www.gustav-mahler-vereinigung.de